Trainer*innen oder TrainerInnen oder Trainerinnen und Trainer oder Trainer/-innen oder Trainer_innen oder Trainer:innen? Wie sollen wir die Zielgruppe dieser Veranstaltung ansprechen?
Ist das wichtig? Ja, selbstverständlich. Denn Sprache konstruiert Wirklichkeit und die Form der Ansprache exkludiert oder inkludiert. Kritiker*innen halten dagegen, der identitätspolitische Diskurs handele nicht von Politik, sondern von Zeichen. Ist Sprache also wirklich immer schon Handlung? Oder „verschlingt uns Zeichenpolitik wie Treibsand. Je heftiger man dagegen anstrampelt, desto heftiger versinkt man in ihr („Identitätspolitik ist Zeichenpolitik“*1). Dies ist nur ein Dilemma identitätspolitischer machtkritischer Ansätze. Andere Spannungsfelder ergeben sich, z.B. im Kontext der „Critical Whiteness“-Theorie daraus, dass Worte oder Taten immer nach dem Sprecher*innen-Standort beurteilt werden sollen oder müssen. Soll diese Veranstaltung offen ausgeschrieben sein? Oder getrennt für „Weisse“ und „People of colour“. Denn gefordert werden ja Safe-Spaces für PoC, von weissen Machtstrukturen freie Orte. Bedeutet das befreiende Anliegen dieses Antirassismusansatzes „neues Stammesdenken“?*2), wie Kritiker*innen sagen, und in der Konsequenz Segregation?
Übersehen wir, wer applaudiert und genüsslich die Spaltung des linken und linksliberalen Lagers aufgreift? (und „national befreite Zonen“ als safespaces für Weisse postuliert) Und wenn es mehr drauf ankommt, wer was sagt, als was gesagt wird, schlägt dann das Befreiungsziel um in Unfreiheit durch autoritäre (Sprach-+Sprech-) Verbote, wie Kritiker*innen zu Bedenken geben und anführen: “Wenn Rechte nicht erkämpft, sondern, Privilegien gestrichen werden, dann ist das Maß für gesellschaftliche Fortschritt nicht gewonnene Freiheit, sondern gleich verteilte Repression.“*3
Sind dies nur die Bedenken von privilegierten Weißen, die nicht mehr über PoC urteilen und bestimmen dürfen? Verwechseln diese ihre „White Fragility“*4) mit „Identitätspolitik“? Ist die Einteilung in PoC, Weisse, Hetereosexuelle und LGTBQA+ in der Tat eine Einteilung in Opfer und Täter*innen? Wird dabei Raum für Differenzierung, für Solidarität und Bündnispartnerschaft verschenkt – oder eher ermöglicht? Wie groß ist die Spaltung entlang dieser Fragen schon – „eigenen Lager“ („Linksliberale“ und „Linksidentitäre“ *5) Wie groß ist die Verunsicherung? Brauchen wir nicht „unendliche Solidarität“? *6
Die Veranstaltung lädt dazu ein, sich diesen Fragen und Dilemmata zu stellen, Konsequenzen für das eigene politische und pädagogische Handeln (selbst-) kritisch zu reflektieren, innere und äußere Kontroversen zu begrüßen und dadurch der Verhärtung in den Positionen und einer Spaltung entgegenzuwirken.
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*1) Lars Weisbrod „Warum man nicht mehr Identitspolitik sagen sollte…“ ZEIT 17.9.2020
*2) vgl. Miriam Lau in „Dein Glück ist mein Unglück“, ZEIT , 25.7.2019
*3) Leo Fischer in „Beißreflexe“, Hrsg: Patsy Lamour Lalove., zitiert nach ZEiT, 25.7.2019
*4) vgl. Robin DiAngelo „White Fragility – why it`s so hard for white people to talk about racism“, 2018
*5) vgl. Justus Bender: „Links-Liberal-Identitär“. FAS,2.8.2020
*6) Marina Weisband: „Warum bekämpfen wir Linke uns so oft gegenseitig“? , ZEIT, 9.7.2020

M.A. Soziokulturelle Studien, Trainerin für Betzavta und Diskriminierungskritik, Leipzig.

ist promovierte Kommunikationswissenschaftlerin, Soziologin, Autorin, Kuratorin und Dozentin, Berlin.

ist Journalistin, Dozentin und Moderatorin, Frankfurt am Main.

Mitglied des Deutschen Bundestages (Bündnis 90/Die Grünen), Osnabrück.

Gabriele Wiemeyer
(Internationale) politische Bildung, Interkulturelle Kompetenzen, Konfliktbearbeitung, Demokratie-Lernen. Zertifizierte "Betzavta"-Ausbilderin.
Kontakt:
Telefon: (0 58 21) 9 55-11 4
E-Mail: gabriele.wiemeyer@gsi-bevensen.de
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